Glossar

    Glossar

    Äquivalenzeinkommen

    Siehe bedarfsgewichtetes Nettoeinkommen

    Bedarfsgewichtetes Nettoeinkommen

    Das bedarfsgewichtetes Nettoeinkommen (auch Äquivalenzeinkommen) berücksichtigt, dass Kinder weniger Geld brauchen als Erwachsene, und dass das Leben günstiger wird, wenn mehrere Menschen zusammenleben. Deshalb wird das gesamte Nettoeinkommen eines Haushalts durch die bedarfsgewichtete Zahl der Haushaltsmitglieder geteilt. Der erste Erwachsene hat den Faktor 1, jedes weitere Haushaltsmitglied ab 14 Jahre den Faktor 0,5, Kinder unter 14 Jahren bekommen den Faktor 0,3.

    Deprivation

    Unter Deprivation verstehen Armutsforscher materielle Entbehrung. Nach einer Definition der Europäischen Union liegt sie vor, wenn vier von neun Grundbedürfnissen nicht befriedigt werden können. Grundbedürfnisse sind zum Beispiel, die Wohnung angemessen zu heizen und täglich eine warme Mahlzeit zu haben.

    Dezil

    Siehe Einkommenszehntel

    Einkommen

    Einkommen sind alle Einnahmen eines Haushalts in einer Periode (zum Beispiel pro Monat). Dazu gehören Löhne für erbrachte Arbeitsleistung, aber auch Gewinne, Zinsen, Mieteinnahmen, Unterhaltszahlungen und staatliche Transfers.

    Einkommensarmut

    Als relativ einkommensarm gilt, wer weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens zur Verfügung hat. Maßstab ist das bedarfsgewichtete Nettoeinkommen (siehe oben). Neben der relativen gibt es noch die subjektive Einkommensarmut. Hierbei schätzen die Menschen selbst ein, ob das Einkommen ihres Haushalts über oder unter einem selbstbestimmten Mindestniveau liegt.

    Einkommenszehntel

    Um die Einkommenszehntel (auch Dezile genannt) zu ermitteln, reihen Verteilungsforscher die Menschen eines Landes zunächst nach dem bedarfsgewichteten Nettoeinkommen (siehe oben) – also vom ärmsten zum reichsten. In einem zweiten Schritt unterteilen sie die gereihte Bevölkerung in 10 gleiche Teile, die Einkommenszehntel.

    Geringverdiener

    Als Geringverdiener gelten alle, die weniger als zwei Drittel des Medianeinkommens beziehen; derzeit sind das 9,54 Euro pro Stunde. Knapp ein Viertel aller Beschäftigten in Deutschland oder etwa 8 Millionen Menschen sind Geringverdiener.

    Gini-Koeffizient

    Der Gini-Koeffizient ist eine Maßzahl zur Beschreibung der Einkommenskonzentration. Ein Gini-Koeffizient von 0 bedeutet, dass alle verglichenen Personen genau das gleiche Einkommen verdienen. Ein Wert von 1 bedeutet, dass eine einzige Person das gesamte Einkommen erhält und alle anderen nichts.

    Medianeinkommen

    Das Medianeinkommen (auch mittleres Einkommen) ist das Einkommen, das alle Einkommensbezieher in zwei genau gleich große Gruppen teilt: die eine Hälfte hat höhere Einkommen, die andere niedrigere. Das Medianeinkommen ist verglichen mit dem Durchschnittseinkommen robuster gegenüber statistischen Ausreißern.

    Mittelschicht

    Ökonomen grenzen die gesellschaftlichen Schichten über das Haushaltseinkommen voneinander ab. Die einkommensarme Mitte bezieht demnach zwischen 60 und 80 Prozent des Medianeinkommens, die Mitte im engen Sinne zwischen 80 und 150 Prozent und die  einkommensstarke Mitte zwischen 150 und 250 Prozent.

    Sozialversicherungsbeiträge

    Die gesetzliche Sozialversicherung ist ein für große Teile der Bevölkerung verpflichtendes Vorsorgesystem zur Absicherung existenzieller Risiken wie Krankheit, Arbeitslosigkeit und Pflegebedürftigkeit. Die Versicherungsbeiträge werden abhängig von der Höhe der Bruttolöhne berechnet (bis zur Beitragsbemessungsgrenze).

    Steuern

    Steuern sind staatliche Zwangsabgaben, denen keine direkte Gegenleistung gegenübersteht. Mit Steuereinnahmen finanzieren Bund, Länder und Kommunen einen großen Teil ihrer Ausgaben. Gleichzeitig versucht der Staat, mit Steuern Verhalten zu lenken und Einkommensunterschiede abzumildern.

    Transfers

    Transferleistungen sind direkt vom Staat gezahlte Sozialleistungen, für die vorab weder Beiträge gezahlt noch andere Leistungen erbracht worden sind. Die wichtigsten Transferleistungen sind in Deutschland die Grundsicherung für Arbeitslose und das Kindergeld. Im Gegensatz dazu gibt es Sozialleistungen, die von der Sozialversicherung auf Grund gezahlter Beiträge gewährt werden, zum Beispiel Renten.

    Umverteilung

    Staatliche Umverteilung korrigiert die über den Markt entstandene Verteilung von Einkommen und Vermögen. Die Einkommenssteuer zum Beispiel belastet hohe Einkommen stärker als niedrige und einige Sozialleistungen wie die Grundsicherung im Alter sind an die Bedürftigkeit des Empfängers geknüpft.

    Vermögen

    Das private Vermögen umfasst das Eigentum natürlicher und juristischer Personen. Vermögen bestehen einerseits aus Finanzvermögen (Bargeld, Bankguthaben und Aktien) und andererseits aus realen Vermögen (Häuser, Autos und Grundstücke). Der Gesamtwert des Vermögens heißt Bruttovermögen; nach Abzug der Verbindlichkeiten erhält man das Nettovermögen.

    Verteilung

    Verteilung meint in der Regel die personelle Einkommensverteilung, also die Verteilung der im Wirtschaftsprozess entstandenen Einkommen auf Personen und Haushalte. Die Primärverteilung bezeichnet dabei die im Marktprozess entstandene Verteilung. Durch korrigierende staatliche Eingriffe wie Steuern, Abgaben und Transfers ergibt sich daraus die sekundäre Einkommensverteilung.