Verteilung

Der Apfel fällt recht weit vom Stamm

Die jüngeren Generationen haben oft bessere Bildungsabschlüsse und höhere Einkommen als die älteren. Nicht nur von Eltern zu Kindern, auch innerhalb einer Generation verändert sich die soziale Hierarchie – allerdings nur langsam.

Im Vergleich der Generationen ist Deutschland eine Aufsteigernation. Die heute berufstätigen Männer haben zu 30 Prozent einen höheren Bildungsabschluss als ihre Väter, 50 Prozent erreichen einen vergleichbaren Abschluss und nur 20 Prozent einen niedrigeren. Im Vergleich mit der Mutter sind die Aufsteiger gegenüber den Absteigern noch deutlicher in der Mehrheit. Kinder von Ungelernten schaffen es zum Facharbeiter, Kinder von Facharbeitern zum leitenden Angestellten. In einigen Fällen trägt es die Nachkommen sogar noch weiter über den Status der Eltern hinaus. Besonders attraktiv finden Aufsteiger die technisch-naturwissenschaftlichen Berufe wie Ingenieur, Chemiker und Informatiker – angehende Mediziner und Juristen hingegen haben meistens schon Akademiker als Eltern, nicht selten eben Ärzte und Rechtsanwälte.

Das steigende Bildungsniveau schlägt sich auch auf dem Gehaltszettel nieder. Fast zwei Drittel der Männer der Jahrgänge 1955 bis 1975 erzielen höhere Löhne als ihre Väter im vergleichbaren Alter. Um Preissteigerungen bereinigt verfügten die Väter durchschnittlich über gut 41.000 Euro pro Jahr, während die Söhne fast 45.000 Euro verdienen. Die Nachkommen von Geringverdienern konnten besonders häufig den Lohn ihres Vaters übertreffen. Kein Wunder, gibt es doch in dieser Gehaltsklasse auch viel Luft nach oben. Spiegelbildlich verdienten die Nachkommen von Gutverdienern erwartungsgemäß häufig weniger Geld als ihre wohlhabenden Väter.

In Skandinavien ist der Zusammenhang zwischen den Generationen lockerer

Der Vergleich der Generationen sagt allerdings noch nichts darüber aus, wie sich die Hierarchie innerhalb einer Generation verschiebt. Um den Zusammenhang zu verdeutlichen, wird häufig der Vergleich mit einer Rolltreppe gezogen: Die Mitglieder einer Generation stehen auf verschiedener Höhe und bewegen sich im selben Tempo nach oben. Ökonomen sprechen in diesem Fall von absoluter Einkommensmobilität. Ändern die Menschen auf der Rolltreppe während der Fahrt ihre Reihenfolge, verfügt die Gesellschaft auch über relative Einkommensmobilität. Tatsächlich verbessern und verschlechtern viele Hunderttausende einer Generation ihre relative Position. Einem Aufstieg steht zwangsläufig immer der Abstieg eines anderen gegenüber, denn auch wenn alle gerne zum oberen Einkommenszehntel gehören würden: Per Definition bietet es nur Platz für 10 Prozent.

Die relative Einkommensmobilität ist in Deutschland verglichen mit anderen Ländern weder besonders stark, noch besonders schwach ausgeprägt. Die Väter „vererben“ hierzulande zu 32 Prozent ihren Einkommensstatus an den Sohn. In den skandinavischen Ländern ist der Zusammenhang zwischen den Generationen lockerer: In Dänemark (15 Prozent), Norwegen (17 Prozent) und Schweden (27 Prozent) spielt die soziale Herkunft also eine geringere Rolle. In Frankreich (41 Prozent), den USA (47 Prozent) und im Vereinigten Königreich (50 Prozent) bleiben die nachfolgenden Generationen hingegen häufiger in der sozialen Schicht, in die sie geboren wurden.

Mangelnde soziale Beweglichkeit ist vor allem ein Problem für jene Teile der Unterschicht, die in Arbeitslosigkeit verharren. Für sie ist eine Arbeitsstelle, und sei sie anfänglich noch gering entlohnt, das entscheidende Mittel, um sich aus dieser Lage zu befreien. Ist der Einstieg in den Arbeitsmarkt geschafft, gelingt es Geringverdienern in der Regel früher oder später, eine ordentlich entlohnte Stelle zu finden – und mit Anstrengung und Weiterbildung geht es manchmal sogar noch ein Stück weiter hinauf.