Verteilung

Mit dem Alter steigt der Besitz

Die Vermögen sind in Deutschland stärker konzentriert als die Einkommen. Dennoch hängen beide Größen eng zusammen: Je höher das Einkommen, desto mehr können die Menschen sparen. Abgesehen davon braucht der Aufbau von Vermögen vor allem Zeit.

Rund 9 Billionen Euro hatten die Deutschen laut Europäischer Zentralbank 2014 auf der hohen Kante – etwa das Dreifache der jährlichen Wirtschaftsleistung. Mehr als die Hälfte davon besteht aus Immobilien. Hinzu kommen Aktien, Autos, Kunstwerke und natürlich Geld, das auf Konten und unter Kopfkissen schlummert. Ein deutscher Haushalt verfügte 2014 nach Abzug der Schulden im Durchschnitt über 214.000 Euro – Möbel und anderer Hausrat ist darin noch nicht enthalten.

Dieser Durchschnittswert sagt aber wenig über die tatsächlichen Verhältnisse. Wer einen Fluss durchwaten möchte, sollte sich von einer durchschnittlichen Wassertiefe von einem Meter auch nicht beruhigen lassen. Statistiker betrachten deshalb neben dem Durchschnitt noch den Median. Reiht man alle Haushalte nach ihren Vermögenswerten auf, ist damit genau der mittlere Haushalt gemeint: Die eine Hälfte der Haushalte ist ärmer, die andere reicher. Der Vermögensmedian beträgt in Deutschland rund 61.000 Euro und damit rund ein Viertel des Durchschnitts. Der große Unterschied zeigt, dass die Vermögen in Deutschland ziemlich ungleich verteilt sind. Wenige Besitzer großer Vermögen ziehen den Durchschnitt nach oben, ohne dass sich in der Mitte etwas tut. Die Vermögen sind somit stärker konzentriert als die Einkommen, die sich unter anderem aus Löhnen, Renten und Mieteinnahmen zusammensetzen. Während sich das vermögendste Zehntel der Bevölkerung mehr als die Hälfte des volkswirtschaftlichen Vermögens teilt, bezieht das einkommensstärkste Zehntel nur etwas mehr als ein Drittel der gesamten Vermögen.

Kurz vor der Rente ist das Vermögen am größten

Meistens sind die Einkommensstarken auch die Vermögenden, denn Vermögen speist sich in der Regel aus gespartem Einkommen. Das Einkommen wiederum hängt eng mit der Bildung zusammen. Dementsprechend steigt auch das Vermögen mit dem Grad des Abschlusses. Wer nur eine Ausbildung absolviert hat, hatte 2014 im Median 58.000 Euro gespart. Der mittlere Hochschulabsolvent dagegen hatte 152.000 Euro auf der hohen Kante. Das Medianvermögen von Arbeitslosen ist mit 1.400 Euro kaum noch als solches zu bezeichnen.

Im Osten Deutschlands kommt gleich mehreres zusammen: Die Menschen haben häufig niedrigere Bildungsabschlüsse als im Westen, die Arbeitslosigkeit ist höher, und zu allem Überfluss gab es dort nach 40 Jahren Sozialismus kaum etwas zu erben. Unterm Strich verfügt der mittlere ostdeutsche Haushalt deshalb nur über rund 25.000 Euro im Vergleich zu 113.000 Euro im Süden der Republik.

Vermögen

Ob nun auf hohem Niveau wie in Bayern oder im bescheideneren Maßstab wie in Mecklenburg-Vorpommern: Das Vermögen entwickelt sich im Lebenszyklus meistens nach demselben Muster. Im Laufe des Berufslebens steigen kontinuierlich die Löhne und damit auch der Spielraum, einen Teil davon zur Seite zu legen. Kurz vor der Rente hat das Vermögen des deutschen Medianhaushalts mit 130.000 Euro seinen Höhepunkt erreicht. Im Ruhestand schmilzt das Finanzpolster wieder allmählich. Bleibt zum Lebensende noch etwas übrig, freuen sich in der Regel die Hinterbliebenen über ein Erbe.