Verteilung

Mit den Jahren steigt der Besitz

Die Vermögen sind in Deutschland stark konzentriert: Je höher die Bildung, desto mehr können die Menschen sparen. Abgesehen davon braucht der Aufbau von Vermögen vor allem eines: Zeit.

Rund 8 Billionen Euro haben die Deutschen laut Europäischer Zentralbank auf der hohen Kante – etwa das Dreifache der jährlichen Wirtschaftsleistung. Das Vermögen besteht aus Immobilien, Aktien, Autos, Kunstwerken und natürlich Geld, das auf Konten und unter Kopfkissen schlummert. Ein deutscher Haushalt verfügt nach Abzug der Schulden im Durchschnitt über 195.000 Euro – Möbel und anderer Hausrat ist darin noch nicht enthalten.

Dieser Durchschnittswert sagt aber wenig über die tatsächlichen Verhältnisse. Wer einen Fluss durchwaten möchte, sollte sich von 1,20 Metern Durchschnittstiefe auch nicht beruhigen lassen. Statistiker betrachten deshalb neben dem Durchschnitt noch den Median: Reiht man alle Haushalte nach ihren Vermögenswerten auf, ist damit genau der mittlere Haushalt gemeint – eine Hälfte der Haushalte ist ärmer, die andere reicher. Der Vermögensmedian beträgt in Deutschland rund 51.000 Euro und damit rund ein Viertel des Durchschnitts. Der große Unterschied zeigt, dass die Vermögen in Deutschland recht ungleich verteilt sind. Wenige Besitzer großer Vermögen ziehen den Schnitt nach oben, ohne dass sich in der Mitte etwas tut. Die Vermögen sind somit stärker konzentriert als die Bruttoeinkommen, die sich unter anderem aus Löhnen, Renten und Mieteinnahmen zusammensetzen. Während sich die vermögendsten 10 Prozent der Bevölkerung rund 60 Prozent der Vermögen teilen, beziehen die einkommensstärksten 10 Prozent etwa 30 Prozent der Einkommen.

Die 10 Prozent der Vermögendsten sind aber nur zum Teil identisch mit den 10 Prozent der Einkommensstärksten. Auch viele Normalverdiener verfügen über stattliche Vermögen, nennen ein Haus ihr Eigen oder sparen für das Alter. Sogar einige „Arme“ können Vermögen vorweisen. Die Armutsstatistik schaut allerdings nur auf die laufenden Einnahmen aus Lohn, Rente und Sozialleistungen. Dass immerhin jeder 6. Einkommensarme über ausreichend Vermögen verfügt, um sich 10 Jahre lang über Wasser zu halten, verschweigt die Statistik.

Kurz vor der Rente ist das Vermögen am größten

In der Regel gilt jedoch: Die Einkommensstarken sind auch die Vermögenden, denn Vermögen speist sich überwiegend aus gespartem Einkommen. Das Einkommen wiederum hängt eng mit der Bildung zusammen. Dementsprechend steigt auch das Vermögen mit dem Grad des schulischen und akademischen Abschlusses. Wer lediglich eine Ausbildung absolviert hat, konnte im Median 37.000 Euro sparen. Der mittlere Hochschulabsolvent dagegen hat 120.000 Euro auf der hohen Kante. Das Medianvermögen von Arbeitslosen ist mit 200 Euro kaum noch als solches zu bezeichnen.

Im Osten Deutschlands kommt gleich mehreres zusammen: Die Menschen haben häufig niedrigere Bildungsabschlüsse als die im Westen, die Arbeitslosigkeit ist höher, und zu allem Überfluss gab es dort nach 40 Jahren Sozialismus kaum etwas zu erben. Unterm Strich verfügt der durchschnittliche ostdeutsche Haushalt deshalb über magere 21.500 Euro im Vergleich zu fast 106.000 Euro im Süden der Republik.

Vermögen

Ob nun auf hohem Niveau wie in Bayern oder im bescheideneren Maßstab wie in Mecklenburg-Vorpommern: Das Vermögen entwickelt sich im Lebenszyklus meistens nach demselben Muster. Im Laufe des Berufslebens steigen kontinuierlich die Löhne und damit auch der Spielraum, einen Teil davon zur Seite zu legen. Das so angesammelte Vermögen wirft Zinsen und Zinseszinsen ab und mehrt sich in der Regel von selbst. Kurz vor der Rente hat das Vermögen des deutschen Medianhaushalts mit 102.500 Euro seinen Höhepunkt erreicht. Im Ruhestand schmilzt das Finanzpolster wieder allmählich. Mit 75 Jahren ist ein Viertel davon wieder verbraucht, und nur etwa ein Viertel der Menschen kann seinen Hinterbliebenen etwas vermachen.

Tun die Reichen zu wenig für die Gesellschaft?