Von oben nach unten
Mithilfe von Steuern und Sozialtransfers greifen Staaten regelmäßig in die Verteilung der Markteinkommen ein. Dahinter steht die Idee, ungerechte Marktergebnisse auszugleichen, für die Menschen in aller Regel selbst nicht verantwortlich sind. Krankheit, die Gnade der Geburt oder ungleiche Marktmacht sind Beispiele dafür. Ziel der Umverteilung ist somit, einen sozialen Ausgleich zwischen den Starken und Schwachen beziehungsweise den Glückspilzen und Pechvögeln der Gesellschaft zu schaffen. Der vorherrschende Grad der Umverteilung kann gemessen werden, indem die Differenz zwischen der Ungleichheit in den Markteinkommen und der Ungleichheit in den Nettoeinkommen der Haushalte gebildet wird.
Der Maßstab dafür ist der sogenannte Gini-Koeffizient, der Werte zwischen 0 und 1 annimmt. Ein Wert von 0 bedeutet, dass alle Personen gleich viel verdienen, und 1, dass das gesamte Einkommen auf eine Person konzentriert ist. Je stärker also der Gini-Koeffizient aufgrund der Steuern, Abgaben und Transfers sinkt, desto stärker gelingt es dem Steuer- und Sozialsystem, die Lebensverhältnisse aneinander anzugleichen. Das deutsche System ist weiterhin deutlich umverteilend. Deutschland schafft eine Verringerung des Gini-Koeffizienten um 39 Prozent. Schweden und Dänemark kommen auf vergleichbare Werte. Der EU-Durchschnitt liegt ebenfalls in diesem Bereich. Am höchsten ist die Umverteilungsintensität in Belgien mit 49 Prozent. Am geringsten fällt die Umverteilung in Lettland aus. Hier sinkt der Gini-Koeffizient von den Markteinkommen zu den Nettoeinkommen um 26 Prozent.