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Mit dem Alter steigt der Besitz

Die Vermögen sind in Deutschland stärker konzentriert als die Einkommen. Dennoch hängen beide Größen eng zusammen: Je höher das Einkommen, desto mehr können die Menschen sparen. Abgesehen davon braucht der Aufbau von Vermögen vor allem Zeit.

Rund 9,6 Billionen Euro hatten die Deutschen laut Europäischer Zentralbank 2017 auf der hohen Kante – etwa das Dreifache der jährlichen Wirtschaftsleistung. Mehr als die Hälfte davon besteht aus Immobilien. Hinzu kommen Aktien, Autos, Kunstwerke und natürlich Geld, das auf Konten und unter Kopfkissen schlummert. Ein deutscher Haushalt verfügte 2017 nach Abzug der Schulden im Durchschnitt über 232.800 Euro – Möbel und anderer Hausrat sind darin noch nicht enthalten.

Dieser Durchschnittswert sagt aber wenig über die tatsächlichen Verhältnisse aus. Statistiker betrachten deshalb neben dem Durchschnitt noch den Median. Reiht man alle Haushalte nach ihren Vermögenswerten auf, ist damit genau der mittlere Haushalt gemeint: Die eine Hälfte der Haushalte ist ärmer, die andere reicher. Der Vermögensmedian beträgt in Deutschland rund 70.800 Euro und damit rund ein Drittel des Durchschnitts. Der große Unterschied zeigt, dass die Vermögen in Deutschland ziemlich ungleich verteilt sind. Wenige Besitzer großer Vermögen ziehen den Durchschnitt nach oben, ohne dass sich in der Mitte etwas tut.

Die Vermögen sind somit stärker konzentriert als die Einkommen, die sich unter anderem aus Löhnen, Renten und Mieteinnahmen zusammensetzen. Während sich das vermögendste Zehntel der Bevölkerung mehr als die Hälfte des volkswirtschaftlichen Vermögens teilt, bezieht das einkommensstärkste Zehntel nur etwas mehr als ein Drittel der gesamten Vermögen. Aber anders als es die Mehrheit der Bundesbürger denken würden, ist die Nettovermögensungleichheit seit Beginn der 2000er Jahre nahezu konstant geblieben. In den letzten Jahren ist sie eher noch gesunken als gestiegen.



Kurz vor der Rente ist das Vermögen am größten

Meistens sind die Einkommensstarken auch die Vermögenden, denn Vermögen speist sich in der Regel aus gespartem Einkommen. Das Einkommen wiederum hängt eng mit der Bildung zusammen. Dementsprechend steigt auch das Nettovermögen mit dem Grad des Abschlusses: Unter allen Personen ohne beruflichen Abschluss lag das mittlere Nettovermögen 2017 bei 3.800 Euro. Wer eine Ausbildung absolviert hat, hatte im Median 59.800 Euro gespart. Der mittlere Hochschulabsolvent dagegen hatte 175.400 Euro auf der hohen Kante. Das Medianvermögen von Arbeitslosen ist mit 600 Euro kaum noch als solches zu bezeichnen.

Im Osten Deutschlands kommen gleich mehrere Faktoren: Noch immer verfügen weniger Ostdeutsche über die allgemeine Hochschulreife, wenngleich sich der Anteil seit 1991 mehr als verdoppelt hat. Zudem ist die Arbeitslosigkeit höher, und zu allem Überfluss gibt es im Osten nach 40 Jahren Sozialismus kaum etwas zu erben. Unter dem Strich verfügt der mittlere ostdeutsche Haushalt deshalb nur über rund 23.400 Euro, ein Haushalt im Süden verfügt stattdessen über 139.800 Euro. In der Tendenz steigen die Unterschiede weiter.




Ob nun auf hohem Niveau wie in Bayern oder auf niedrigem wie in Mecklenburg-Vorpommern: Das Vermögen entwickelt sich im Lebenszyklus meistens nach demselben Muster. Im Laufe des Berufslebens steigen kontinuierlich die Löhne und damit auch der Spielraum, einen Teil davon zur Seite zu legen. Kurz vor der Rente hat das Nettovermögen des deutschen Medianhaushalts mit 180.900 Euro seinen Höhepunkt erreicht. Im Ruhestand schmilzt das Finanzpolster wieder allmählich. Bleibt zum Lebensende noch etwas übrig, freuen sich in der Regel die Hinterbliebenen über ein Erbe.